Solarbrunnen

Solarbrunnen

Solarbrunnen für ein Stadtviertel in Dêrik

Im Jahr 2024 realisierte der Städtepartnerschaftsverein Friedrichshain-Kreuzberg - Dêrik in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Dêrik einen Solarbrunnen im Viertel Şehid Xebat. Das Ziel bestand darin, die Trinkwasserversorgung der rund 5.000 Einwohner*innen des Viertels dauerhaft zu sichern.

Mit dem Projekt wird ein Beitrag zu mehreren Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen geleistet. Im Mittelpunkt steht insbesondere SDG 6: „Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.“ Durch die Versorgung durch Solarbrunnen wird der Zugang zu einer lebensnotwendigen Ressource und erhöht die Widerstandsfähigkeit der lokalen Infrastruktur. Darüber hinaus unterstützt das Projekt auch SDG 7 (Bezahlbare und saubere Energie) durch die Nutzung erneuerbarer Energien.

Die Wasserpumpe wird durch eine neu errichtete Photovoltaikanlage betrieben. Das Projekt wurde durch die Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ) finanziert. Die praktische Umsetzung begann im Juni 2024, die Bauleitung übernahm Mustafa Ahmet von der örtlichen Wasserbehörde. Make Rojava Green Again koordinierte die Arbeiten vor Ort und sorgte für die Kommunikation zwischen allen beteiligten Akteuren sowie mit den Bewohnerinnen des Stadtviertels.

Die Wasserversorgung der gesamten Region hängt stark von den großen Flüssen Euphrat und Tigris ab, deren Quellen in der Türkei liegen. Dêrik liegt im Einzugsgebiet des Tigris und verfügt im regionalen Vergleich über relativ gute Grundwasservorkommen. Dennoch ist auch diese Region von der türkischen Staudammpolitik betroffen. Seit den 1980er Jahren hat die Türkei im Rahmen des Südostanatolien-Projekts (GAP) ein umfangreiches Netz aus Staudämmen und Wasserkraftwerken errichtet und damit weitreichende Kontrolle über zentrale Wasserressourcen der Region erlangt. Die Folgen dieser Politik zeigen sich in sinkenden Pegelständen von Flüssen und Stauseen, zunehmender Wasserknappheit, sowie in erheblichen Belastungen für Landwirtschaft, Energieversorgung und Trinkwasserversorgung in der gesamten Region.

Der Solarbrunnen ist damit nicht nur ein Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort, sondern auch ein Beispiel dafür, wie lokale Gemeinschaften ihre Versorgungssicherheit unter den Bedingungen von militärischen Eskalationen, Wasserknappheit und politischer Isolation stärken können.

Während einer Sitzung der Kommune von Şehid Xebat im Juli 2024 diskutierten Bewohnerinnen und Verantwortliche über die Bedeutung des Projekts. Der Ko-Bürgermeister Ciwan hob die Städtepartnerschaft als Beispiel internationaler Solidarität hervor. Besonders geschätzt werde, dass die Unterstützung direkt zwischen zivilgesellschaftlichen Akteurinnen organisiert werde und sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiere. Viele Bewohner*innen betonten zudem, dass die praktische Hilfe ebenso wichtig sei wie das Gefühl, von Menschen in anderen Teilen der Welt nicht vergessen zu werden. Die Unterstützung aus Berlin vermittle Hoffnung und stärke die Bereitschaft vieler Menschen, trotz schwieriger Lebensbedingungen in der Region zu bleiben. Auch Mustafa Ahmet, Direktor der Wasserbehörde und technischer Leiter des Projekts, unterstrich die große Bedeutung des Solarbrunnens für die Versorgungssicherheit des Viertels.

Kurze Chronologie des Baus des Solarbrunnens

April 2024: Bewilligung der Förderung

Die Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ) bewilligte die Fördermittel. Anschließend begann die konkrete Organisation des Projekts. Da es in der Region kein funktionierendes Bankensystem gibt, mussten die Gelder persönlich nach Dêrik gebracht werden.

Mai 2024: Verzögerung des Baustarts

Der ursprünglich geplante Baustart im Mai konnte nicht eingehalten werden. Gründe waren außergewöhnlich starke Regenfälle und der zeitaufwendige Geldtransfer.

Juni 2024: Beginn der Bauarbeiten

Anfang Juni begannen die Arbeiten im Viertel Şehid Xebat. Das Gelände wurde vorbereitet und planiert. Anschließend wurden die Fundamente für die Photovoltaikanlage errichtet.

Juni/Juli 2024: Aufbau der Solaranlage

Die Trägerkonstruktionen wurden montiert und verschweißt. Ende Juli trafen die Solarpaneele in Dêrik ein und wurden erfolgreich installiert.

Sommer 2024: Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen

Während der Bauarbeiten nutzten Kinder aus dem Viertel die Gerüste als Kletteranlage. Um das zukünftig zu verhindern, musste zusätzlich ein Schutzzaun errichtet werden. Die zusätzlichen Kosten von rund 3.000 Euro übernahm die LEZ.

August 2024: Abschluss der technischen Arbeiten

Die letzten technischen Installationen wurden abgeschlossen und damit konnte der Solarbrunnen die Trinkwasserversorgung aufnehmen. Seitdem versorgt er rund 1.000 Haushalte mit etwa 5.000 Einwohner*innen.

November 2024: Begrünung und Auswertung

Entlang des Schutzzauns wurden Begrünungsarbeiten durchgeführt. Dabei wurden auch einfache Bewässerungsrohre für eine ökologisch sinnvolle Wurzelbewässerung eingebaut. Abschließend fand am 20. November 2024 fand in Berlin eine öffentliche Auswertungsveranstaltung statt.